
Bei dieser schweren Chanukka-Lampe aus Zinn handelt es sich um den sogenannten Typus 18. Jahrhundert aus Horb am Neckar. Es ist eine Nachbildung aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert aus der Feingießerei August Weygang in Öhringen bei Stuttgart. Die schwere Chanukka-Lampe aus Zinn besitzt eine Rückwand, die oben mit zwei einander gegenübergestellten geflügelten Rokoko-Putti versehen ist, sowie in der Mitte mit Voluten und einer aufrechten Muschel in einer Vase. Eine runde Öffnung, die vielleicht zum Aufhängen der Lampe diente, wenn diese nicht benutzt wurde. Über der Ölpfannenreihe ist auf der Rückwand eine geöffnete Rose graviert und gepunzt. Die Ölpfannen sind aus einem Stück gegossen und mit einem Zapfen versehen, der durch einen Schlitz in der Rückwand reicht. Die beiden Teile werden durch einen neuen Nagel zusammengehalten. Die nach vorne schnabelförmig zugespitzten Ölpfannen sind über einer Tropfschale angebracht. Die bogenförmig ausgezackte Vorderseite der Tropfschale ist mit einer Punzierung in Form von Rhomben versehen. Parallel zum Rand verläuft eine gravierte Linie. Zwei Miniatur-Eimer mit Stahlgriffen hängen auf Abflussröhren in Form von Delphinköpfen, die an die Vorderseite der Tropfschale angelötet sind. Die Eimer sind für das überschüssige Öl gedacht, das durch die Delphinköpfe abfließen kann, vielleicht auch für abgebrannte Dochte. Ursprünglich standen wohl zwei weitere, mit einem angehobenen Fuß versehene Ölnäpfe in Stützen, die sich an den Seiten der Rückwand befinden; der Ölnapf auf der linken Seite fehlt. Einer ist für den Diener (Schamasch) gedacht, der andere vielleicht für eine Schabbat-Kerze. Die Ölpfanne des Schammasch ist an ihren säulenartigen Sockel angelötet. Vielleicht wurde die Stütze später hinzugefügt oder nur die Lötung erfolgte später. Unter der Ölnapfreihe und der Tropfschale ist eine balkonartig in leichter Wellenform vorschwingende Schale angebracht, die auf Löwenfüßen steht. Sie besitzt einen bogenförmigen Rand mit einer schlichten gravierten Verzierung und dient als Stabilisierung. Die Seitenwangen sind mit einer Zick-Zack-Gravur entlang der Ränder versehen, die entlang der Stütze für den Schammasch und um sie herum verläuft.
Objektdetails
Titel |
Chanukka-Leuchter |
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Künstler*in / Hersteller*in |
Johann Carl Sichler |
Datierung |
20. Jh. (Nachbildung) |
Objektbezeichnung |
Leuchter |
Sammlungsbereich |
JMF Judaica |
Maße |
27 x 20 x 10 cm |
Material / Technik |
Zinn, gegossen, graviert |
Signatur / Beschriftung |
Marken stark verschlagen: Engelsfigur mit Waage und Schwert, Buchstaben ICS (?) Aus der Zinngießerei Weygang in Öhringen (Replik) Marke |
Literatur |
Heuberger, Georg (Hrsg.), Die Pracht der Gebote - Die Judaica-Sammlung des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Köln: Wienand, 2006., Stephen S. Kayser und Guido Schoenberger, Jewish Ceremonial Art, Philadelphia 1959 |
Bildlizenz |
Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Herbert Fischer CC BY SA 4.0 |
Vorbesitz |
Überwiesen aus dem HMF. Ehem. Sammlung Siegmund Nauheim, Nr. 168 |
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Inventarnummer |
JMF1987-0208 |
Jetzt ausgestellt