
"Als der Leib des Baalschem sich im Feuer seiner Seele schon fast aufgezehrt hatte und er daran war, sein irdisches Kleid abzustreifen, rief er alle Schüler zu sich. Er war schon auf sein letztes Lager hingestreckt; den Kopf hatte er, ein wenig erhoben, in die linke Hand gestützt, und sein Antlitz war während der ganzen Zeit, da er sprach, voll den Seinen zugewandt. Es war bleich und entrückt, aber sein Blick ruhte fest und eindringlich auf dem, zu dem er sprach. Er sagte einem jeden aus der Schar, wie er sein künftiges Leben führen und welchem Geist er es anheimgeben solle." (Martin Buber, Die Legende des Baalschem, 1905) Ein Besucher des Museums verleiht seinen Überlegungen zu dieser Grafik Ausdruck: "Mich berührt die Trauer und Fassungslosigkeit der Anwesenden am Totenbett. Mich fasziniert, wie der sterbende Rabbi ganz wach seinen Schülern zugewandt ist. Rosy Lilienfeld zeichnet die Szene vom Abschied des heiligen Baalschem von seinen Schülern genau so, wie Martin Buber sie im Buch 'Die Legende des Baalschem' erzählt. Nicht viele haben die Gelegenheit, sich am Sterbebett mit intensiven Gesprächen zu verabschieden. Das tröstet. Die Künstlerin wird 1942 in Auschwitz ermordet. 'Die vergessene Geschichte' aus den Legenden Bubers, zu der die Illustration gehört, kannte ich vorher nicht. In Rosy Lilienfelds Zeichnung brennt die Flamme des Lebens bis heute."
Objektdetails
Titel |
Der Baalschem auf dem Totenbette mit seinen Jüngern (Originalbezeichnung) (Die vergessene Geschichte, Blatt I) |
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Künstler*in / Hersteller*in |
Rosy Lilienfeld |
Datierung |
1930 |
Objektbezeichnung |
Kohlezeichnung |
Sammlungsbereich |
JMF Kunst |
Ort |
Frankfurt am Main |
Maße |
31 x 23,5 cm |
Material / Technik |
Kohle, Kreide, Velinkarton |
Bildlizenz |
Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Herbert Fischer |
Inventarnummer |
JMF2021-0049-044 |
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Jetzt ausgestellt
Im Angesicht des Todes
Jüdisches Museum Frankfurt, Wechselausstellungsraum