Gebet des Frankfurter Oberrabiners Pinchas Horowitz zur Kaiserkrönung Leopold II., Pinchas HaLevi Horowitz, Informationsblatt, 1790

Über Jahrhunderte hinweg war der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches der oberste Schutzherr der Juden Frankfurts. Sie wandten sich oft an ihn und seine Gerichte, um Recht zu erhalten. Dieses besondere Verhältnis kam auch in symbolischen Gesten und Feiern zum Ausdruck. Anlässlich der Krönung von Leopold II. wurde zum Beispiel die Synagoge festlich illuminiert und der Oberrabbiner verlas ein selbstverfasstes Gebet: »Lasst uns anstimmen ein Freudenlied, an dem Tage unserer Lust und Wonne. Es lebe unser Herr, der Kaiser und König Leopold II.« Der hebräische Text ist kunstvoll komponiert, so dass die Anfangsbuchstaben der Gebetszeilen den Namen Leopoldus ergeben. Die Feierlichkeiten rund um Wahl und Krönung des Kaisers wurden auch in der Judengasse tagelang begangen. Ein Militärarzt beschreibt in seinem Tagebuch 1790 den Gottesdienst in der Synagoge und die Feierlichkeiten in der Judengasse anlässlich der Krönung: »Und die gantze Judenschafft hatten ihre große Synagogen mit vielen Wachslichtern erleuchtet, mit Sammdt- und goldenen Tapeten ausgeschmückt, schöne Musice und unter sich viele Tractamente gegeben. Da bin ich auch dabey geweßen und habe guten ungarischen Wein getruncken. Auch sind viele arme Juden denselbigen Abendt gespeißt worden, und hatten die gantze Nacht Freyheit in ihren Ringmauern. Wein und Bier war frey und die gantze Nacht wurde gespielt.«

Objektdetails

Titel

Gebet des Frankfurter Oberrabiners Pinchas Horowitz zur Kaiserkrönung Leopold II.

Künstler*in / Hersteller*in

Pinchas HaLevi Horowitz

Datierung

1790

Objektbezeichnung

Informationsblatt

Sammlungsbereich

JMF Archiv

Ort

Frankfurt am Main

Maße

31 x 19 cm

Literatur

Die Frankfurter Judengasse, Beck Verlag, München 2016- 204

Bildlizenz

Jüdisches Museum Frankfurt CC BY-SA 4.0

Erwerbsdatum

2013

Inventarnummer

JMF2013-0016

Ausgestellt

Museum Judengasse, Kaiser, Rat und Juden