Rimonim (Tora-Aufsätze), Johann Samuel Beckensteiner, Tora-Schmuck, 1766 - 1769

Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich die Situation der Juden in den deutschen Staaten einigermaßen stabilisiert, obwohl gesicherte bürgerliche Rechte noch ein Jahrhundert entfernt waren. Im 18. Jahrhundert gab es in Nürnberg selbst keine bedeutende jüdische Gemeinde. Die mittelalterliche jüdische Bevölkerung war bereits 1499 aus der Reichsstadt vertrieben worden, und über Jahrhunderte blieb Juden die dauerhafte Niederlassung in Nürnberg weitgehend verboten. Zwar durften sie gelegentlich als Händler oder Besucher die Stadt betreten, ein eigenständiges Gemeindeleben konnte sich jedoch nicht entwickeln. Silberarbeiten wie Tora-Schmuck wurde bei christichen Silbeschmieden wie hier Johann Beckensteiner, in Auftrag gegeben. Das Zentrum jüdischen Lebens in der Region fand in der nahe gelegenen Stadt Fürth statt. Dort entstand eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Deutschlands, die im 18. Jahrhundert mehrere Tausend Mitglieder zählte. Fürth beherbergte Synagogen, Schulen, Druckereien und eine berühmte Jeschiwa, die Studenten aus vielen Teilen Europas anzog. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts erhielten einzelne Juden wieder die Erlaubnis, sich dauerhaft in Nürnberg niederzulassen. Daraus entwickelte sich später die moderne jüdische Gemeinde der Stadt. Diese Tora-Aufsätze sind von der klassischen Nürnberger Turmform des 18. Jahrhunderts: der untere Teil mit einem großen bauchigen Element, das an die ursprüngliche Fruchtform, den Granatäpfeln, Hebr. Rimonim, erinnern soll und der obere turmförmige Teil mit Fenstern in denen Glöckchen eingelassen sind. Ein interessantes Merkmal dieses Paares ist der Austausch der Kronen an der Spitze: sie wurden Mitte des 19. Jahrhunderts dort angebracht. Auf der Spitze dieser Kronenbefinden sich jeweils eine kleine Löwenfigur, eine davon trägt ein Schildchen, das ein geöffnetes Buch darstellen soll mit einer Inschrift: "Mögen die Menschen fröhlich sein".

Objektdetails

Titel

Rimonim (Tora-Aufsätze)

Künstler*in / Hersteller*in

Johann Samuel Beckensteiner

Datierung

1766 - 1769

Objektbezeichnung

Tora-Schmuck

Sammlungsbereich

JMF Judaica

Ort

Nürnberg

Material / Technik

Silber, ziseliert, durchbrochen, gegossen, teilweise vergoldet

Bildlizenz

The Cymbalista Collection of Rimonim / Jüdisches Museum Frankfurt; Foto: Herbert Fischer, The Cymbalista Collection of Rimonim / Jüdisches Museum Frankfurt; Foto: Herbert Fischer

Leihgeber*in

The Cymbalista Collection of Rimonim / Die Cymbalista Sammlung von Rimonim

Inventarnummer

Lg_Cymbalista35

Jetzt ausgestellt