Tora-Schild, E. Schürmann und Co.(ab 1863), Zeremonialobjekt, um 1875

Die sichtbaren Details auf diesem Tora-Schild sind sehr aussagekräftig. Unten umgibt ein Kranz die Tafeln der Zehn Gebote, der aus »deutschem« Eichenlaub und »jüdischen« Palmblättern besteht. Dieses Schild benutzte die liberale Gemeinde in Frankfurt in ihrer Hauptsynagoge. Die Gemeindemitglieder definierten sich als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens. Daher verzichteten sie in ihrer Liturgie auf die jahrhundertealten Gebete, in denen eine Rückkehr nach Israel erbeten wird.

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Kathrin Schön

„Dieses kunstvolle Tora-Schild von Johan Eduard Schürmann entstand um 1875 und zeichnet sich durch ein prägnantes Merkmal aus: Inmitten des teilweise vergoldeten Schilds seht Ihr die Gesetzestafeln, die Mose am Berg Sinai empfing, umfasst von einem Kranz aus Palmzweigen und Eichenlaub. Die Gestaltung dieses schönen Stücks vereint also jüdische und deutsche Elemente miteinander und spiegelt damit ein modernes jüdisches Selbstverständnis als deutsche Bürger jüdischen Glaubens im Nachgang zur Emanzipationszeit wider. Das macht das Schild für mich nicht nur zur zu einem ästhetisch ansprechenden, sondern auch zu einem historisch wertvollen und sprechenden Objekt.“

Fotomontage aus Tora-Schild und Frauenporträt

Objektdetails

Titel

Tora-Schild

Künstler*in / Hersteller*in

E. Schürmann und Co.(ab 1863)

Datierung

um 1875

Objektbezeichnung

Zeremonialobjekt

Sammlungsbereich

JMF Judaica

Maße

30 x 26,5 cm

Material / Technik

Silber, getrieben, gesägt, teilweise vergoldet, punziert, emailliert, Steinbesatz

Signatur / Beschriftung

Meistermarken: E Schürmann & Co., E.S. & Co. (Scheffler 357) Marke

Literatur

Heuberger, Georg (Hrsg.), Die Pracht der Gebote - Die Judaica-Sammlung des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Köln: Wienand, 2006.- 96, 27, Führer Jüdisches Museum München 1997, Felicitas Heimann-Jelinek (Hrsg.), Was übrig blieb. Das Museum jüdischer Altertümer in Frankfurt 1922-1938. Eine Ausstellung des Jüdischen Museums der Stadt Frankfurt am Main 9. November 1988 - 12. Februar 1989, Frankfurt am Main: Jüdisches Museum, 1988.- 154/155, Kat.Nr. 14, Grafman, Crowning Glory- 209, Kat. Nr. 316

Bildlizenz

Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Herbert Fischer CC BY-SA 4.0

Erwerbsdatum

29.11.1994

Vorbesitz

1995 - dato: Jüdisches Museum Frankfurt, Schenkung Bürgermeister Dr. Mogg und Stadt (?) nach Kauf bei Christie's, um 1875 - ?: Verbleib unbekannt, eventuell bis 1938 Frankfurter Synagoge oder Museum jüdischer Altertümer; Hersteller: E. Schürmann und Co.

Inventarnummer

JMF1995-0003

Ausgestellt

Rothschild-Palais 2. Etage, Tora und Moderne