Bertha Pappenheim zum Gedächtnis, in: Blätter des Jüdischen Frauenbundes Juli/August 1936, XII. Jahrgang, Martin Buber, Sonderdruck, 1936

Die Frankfurter Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim (1859 – 1936) war neben ihrem unermüdlichen Einsatz für benachteiligte Frauen und Mädchen auch für ihren trockenen Humor bekannt. So verfasste sie selbst eigenwillige und humoristische Nachrufe auf sich selbst und ließ sie in den verschiedenen Zeitungen veröffentlichen: FAMILIENBLATT Sie war eine Frau, die jahrzehntelang eigensinnig für ihre Ideen eingetreten ist, Ideen die in der Zeit lagen. Aber sie tat es oft in Formen und auf Wegen, die einer Entwicklung vorgreifen wollten, so wie sie auch nicht nach jedermanns Sinn und Geschmack waren. Schade! ISRAELIT Nach Herkunft und Erziehung eine orthodoxe Frau, die sich im Laufe der Jahrzehnte und unter dem nachweislichen Einfluß revolutionierender Gedanken der Frauenbewegeung von ihrer Wurzel loszulösen vermeinte – sich feindselig gebärdete – sie aber doch nicht verleugnete. Sie hätte ihrem Jichus nach – wir erinnern daran, daß ihr Vater Mitbegründer der „Schiffschul“ in Wien war – der Orthodoxie bessere Dienste leisten müssen. Schade! C.V.-ZEITUNG …eine Frau von guten Fähigkeiten, kämpferisch jüdischem Wesen und deutscher Kultur gleich verpflichtet, die sich aber in ihrer Schärfe und Ablehnung des Gedankengutes, das ihr nicht zusagte, bewußt außerhalb unserer Reihen stellte. Schade! JÜDISCHE RUNDSCHAU Eine eifrige, alte Gegnerin unserer Bewegung, der dennoch jüdisches Bewußtsein und Kraft nicht abzusprechen sind. Wo sie deutsch zu sein glaubte, war sie doch nur eine Assimilantin. Schade! BLÄTTER DES JÜDISCHEN FRAUENBUNDES Sie gründete im Jahre 1904 den Jüdischen Frauenbund, dessen Bedeutung längst nicht erfaßt ist. Die Weltjudenschaft – Männer und Frauen – könnten ihr für diese soziale Tat dankbar sein. Sie sind es aber nicht. Schade! (Isenburg, 1. Mai 1934)

Objektdetails

Titel

Bertha Pappenheim zum Gedächtnis, in: Blätter des Jüdischen Frauenbundes Juli/August 1936, XII. Jahrgang

Künstler*in / Hersteller*in

Martin Buber

Datierung

1936

Objektbezeichnung

Sonderdruck

Sammlungsbereich

JMF Archiv

Ort

Deutschland

Material / Technik

Druck auf Papier

Bildlizenz

,

Inventarnummer

B 1986/0738 b

Jetzt ausgestellt

Im Angesicht des Todes

Jüdisches Museum Frankfurt, Wechselausstellungsraum