Chanukka-Leuchter, Unbekannt, Leuchter, vermutlich 19. Jh.

Dieser Chanukka-Leuchter wurde bisher in das 18. Jahrhundert datiert mit Herkunftsland Italien. Die neuere Forschung auf dem Gebiet der Judaica-Objekte hat jedoch ergeben, dass es zwar zahlreiche Chanukka-Leuchter dieses Typus in verschiedenen Museumssammlungen gibt, diese jedoch weder aus Italien stammen, noch in das 18. Jahrhundert datiert werden können. Es ist weitaus wahrscheinlilcher, dass dieser Typus von Chanukka-Leuchtern für den Sammlermarkt von antiken Judaica Ende des 19. - Anfang des 20. Jahrhunderts hergestellt wurde. Der hier gezeigte Leuchter stammt aus der ehemaligen Sammlung von Siegmund Nauheim und befand sich bis 1938 im Museum Jüdischer Altertümer in Frankfurt. Der Sammler hatte ihn wohl im Glauben erworben, es handele sich um einen Leuchter des 18. Jahrhunderts. Das Motiv der Judith ließ auf Italien zurückschließen: In der profanen Kunst ist sie Verkörperung einer heldenhaften Person, die das Vaterland durch Mut und Geschick aus höchster Not rettet. Im 15. Jahrhundert in Florenz hatte erstmals Cosimo de Medicieine Judith-Skulptur in Auftrag gegeben um die Befreiung der Stadt Florenz von den Mailänder Visconti symbolisch zu feiern. Als 1494 die Medici aus der Stadt vertrieben wurden, wurde die Skulptur ein Jahr später von der Bevölkerung vom Sockel geholt, feierlich zur Piazza della Signoria transportiert und nahe am Haupteingang zum Palazzo Vecchio aufgestellt. Sie wurde jetzt als Symbol für die Freiheit und den Sieg des Volkes über die Tyrannei betrachtet. Dass die Figur der Judith im Zusammenhang mit dem Chanukka-Fest auftaucht, rührt ebenso von der Geschichte einer Befreiung her, der Befreiung von den Griechen und dem Sieg der Makkabäer. Wie viele Chanukka-Leuchter ist auch dieser zur Aufhängung an der Wand gedacht. Die reich gestaltete Rückwand zeigt Judith mit dem Kopf des Holofernes in der rechten Hand. Das Schwert hält sie triumphierend in der linken Hand. Die Geschichte von der Enthauptung Holofernes‘ durch Judith wurde nicht Teil der hebräischen Bibel. Frühe Deutungen aber, wonach Judiths Unerschrockenheit die Hasmonäer dazu ermutigte, gegen die Griechen zu rebellieren, machten dieses Thema zu einem beliebten Motiv für Chanukka-Leuchter. Auch der Brauch, zum Chanukka-Fest Milchprodukte zu essen, soll daran erinnern, dass Judith Holofernes mit Wein und Käse verführte. Die Judith-Figur selbst steht auf einem Sockel, der das Zentrum weit verzweigter Ranken bildet. Unter dem Astwerk sitzen zwei Löwen, die jeweils eine Pfote auf einer Kugel halten. Die Leiste mit schnabelförmigen Ölnäpfen ist erhalten, der Diener fehlt. Ein anderer Chanukka Leuchter in unserer Sammlung, dessen Herkunft und Datierung gesichert auf das 18. Jahrhundert und Deutschland identifiziert werden kann, zeigt ebenfalls das Motiv der Judith mit dem Kopf des Holofernes (siehe JMF1994-0003).

Objektdetails

Titel

Chanukka-Leuchter

Künstler*in / Hersteller*in

Unbekannt

Datierung

vermutlich 19. Jh.

Objektbezeichnung

Leuchter

Sammlungsbereich

JMF Judaica

Maße

17 x 22 x 7 cm

Material / Technik

Messing, gegossen

Literatur

Heuberger, Georg (Hrsg.), Die Pracht der Gebote - Die Judaica-Sammlung des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Köln: Wienand, 2006.

Bildlizenz

Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Herbert Fischer CC BY SA 4.0

Erwerbsdatum

1987

Vorbesitz

Überwiesen aus dem HMF. Ehem. Sammlung Siegmund Nauheim, Nr. 94

Inventarnummer

JMF1987-0158

Jetzt ausgestellt