Der Juden zu Frankfurt Stättigkeit und Ordnung, Unbekannt, Buch, 1613

Das Leben der Frankfurter Juden unterlag einer besonderen rechtlichen Anordnung, der Stättigkeit, die im 15. Jahrhundert erstmals erlassen wurde. Der Text der Stättigkeit enthielt nicht nur die Regelungen, sondern führte auch den Anlass ihrer Entstehung an. Ihm ging ein Verhandlungsprozess voran, der weder formal festgelegt noch demokratisch war. Im gezeigten Beispiel erließ der Frakfurter Rat im Jahr 1574 eine Bestimmung zur Zulassung von Juden (S. 41). Nach Protesten jüdischerseits wurde diese Bestimmung im Jahr 1587 zurückgenommen (S. 40). Ein Einschub von 1579 setzte fest, dass Juden nur in der Judengasse Gebäude errichten dürfen. Dies erfolgte ausdrücklich auf Wunsch der jüdischen Gemeindevorsteher. Die Stättigkeit umfasste viele Einschränkungen. Die Frankfurter Juden mussten in der Judengasse wohnen, die nachts und an christlichen Feiertagen geschlossen war. Sie sollten an der Kleidung Kennzeichen tragen und sie waren von jeder formalen politischen Teilhabe ausgeschlossen. Juden durften nur wenige Handwerksberufe ausüben und auch bei den Handelsberufen gab es Beschränkungen. Die Stättigkeit bestimmte die Höhe der Abgaben und die Anzahl der Heiraten pro Jahr. Andererseits schützte die Stättigkeit die Frankfurter Juden. Sie garantierte das Aufenthaltsrecht in der Stadt und ermöglichte es den Juden, Bestimmungen einzuklagen. Sie gewährte auch ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Religionsfreiheit.

Objektdetails

Titel

Der Juden zu Frankfurt Stättigkeit und Ordnung

Künstler*in / Hersteller*in

Unbekannt

Datierung

1613

Objektbezeichnung

Buch

Sammlungsbereich

JMF Archiv

Ort

Frankfurt am Main

Maße

19,1 x 15,9 cm

Material / Technik

Buchdruck auf Papier

Literatur

Die Frankfurter Judengasse, Beck Verlag, München 2016- 198

Bildlizenz

Jüdisches Museum Frankfurt CC BY-SA 4.0

Erwerbsdatum

2013

Inventarnummer

JMF2013-0052

Ausgestellt

Museum Judengasse, Kaiser, Rat und Juden