Megillat-Esther (Esther-Rolle), Unbekannt, Manuskript, 18. Jahrhundert

Illustrierte Esther-Rollen gibt es seit dem 17. Jahrhundert. Sie geben die biblische Geschichte von Königin Esther wider, die die Juden Persiens vor der drohenden Vernichtung rettete, und werden während des Purim-Fests vorgelesen. Diese Rolle ist besonders reich geschmückt. Zwischen Blumen und Tierfiguren finden sich Miniaturszenen, in denen die Handlung abgebildet wird. Der Text steht in zwölf Kolumnen, dazwischen sind die Hauptfiguren zu sehen. Da die Geschichte in Persien spielt, sind die männlichen Figuren in orientialisierender Kleidung gezeichnet – insgesamt folgen Gestaltung und Bilder aber europäischen Vorstellungen. Künstlerisch gestaltete Esther-Rollen wie diese dienen traditionellerweise als Hochzeitsgeschenke der Brauteltern an ihren Schwiegersohn. Esther-Rollen, die in der Synagoge vorgelesen werden, sind ohne Bilder. Für den privaten Gebrauch hingegen werden die Esther-Rollen gerne illustriert. Die gezeigte Rolle ist im Stil des Arie Leib ben Daniel gestaltet. Ihm werden insgesamt acht Esther-Rollen zugeschrieben – 20 weitere, unsignierte seines Stils sind bekannt. Arie Leib stammte aus Polen. Seine frühesten Esther-Rollen fertigte er in kleinen Orten in Ost- und Mitteleuropa zwischen 1732 und 1737 an. In den 1740er Jahren wanderte er nach Venedig aus, wo er einen eleganten, italienischen Stil entwickelte. Hier schrieb und illustrierte er sechs Rollen. Sie alle zeichnen sich durch den Wechsel von Text- und Figurenkolumnen aus. Die biblische Erzählung spielt in Persien. Der hohe königliche Beamte, Haman, will alle Juden vernichten. Die Jüdin Esther, die Gattin des Königs, erfährt von dem Plan, stimmt den König um und rettet das jüdische Volk. Das fröhliche Fest, das die persischen Juden daraufhin feierten, war das erste Purim-Fest. In Frankfurt wird ein weiteres Purim-Fest gefeiert. Während eines Aufstands christlicher Handwerker und Kaufleute wurden die Juden für zwei Jahre aus Frankfurt vertrieben. Ihr Wiedereinzug in die Stadt im Jahr 1616 wird seitdem als »Purim Vinz« gefeiert. Der Name erinnert an den Anführer des Aufstandes, Vinzenz Fettmilch, dem es nicht gelang, die Juden Frankfurts zu vernichten.

Objektdetails

Titel

Megillat-Esther (Esther-Rolle)

Künstler*in / Hersteller*in

Unbekannt

Datierung

18. Jahrhundert

Objektbezeichnung

Manuskript

Sammlungsbereich

JMF Judaica

Ort

Italien

Maße

27,8 cm

Material / Technik

Pergament, mit Sepiatinte beschrieben und bemalt

Literatur

Heuberger, Georg (Hrsg.), Die Pracht der Gebote - Die Judaica-Sammlung des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Köln: Wienand, 2006.- 464

Bildlizenz

Jüdisches Museum Frankfurt, CC BY-SA 4.0

Erwerbsdatum

10.04.1988

Inventarnummer

JMF1988-0037

Ausgestellt

Museum Judengasse, Bilder in der Judengasse