Porträt Jakob Weil, Moritz Daniel Oppenheim, Gemälde, 1847

Der Philologe und Publizist Jakob Weil (1792 Bockenheim – 1864 Frankfurt a. M.) leitete in Frankfurt eine jüdische Privatschule, das Weil'sche Knabeninstitut. In den Jahren um 1850 war er im Vorstand der Frankfurter Israelitischen Gemeinde, darüber hinaus bekleidete er das Amt des Vorsitzenden des Finanz- und Kassenkomitees der Rabbinerversammlung. Wie Oppenheim war auch Weil Mitglied in der Loge Zur aufgehenden Morgenröthe, und von 1849 bis 1852 deren Meister vom Stuhl. Bei dem Porträt handelt es sich um eine Auftragsarbeit, die Oppenheim 1847 für die Loge ausführte. Diese besaß eine Galerie repräsentativer Bildnisse der Meister vom Stuhl, die im Logenhaus zu sehen waren. Das Porträt zeigt Weil ohne freimaurerischen Insignien. Rechts verweisen Bücher und Brille auf die Gelehrsamkeit des Dargestellten. Die Hand in der Jacke, ein Motiv, das aus Bildnissen Napoleons bekannt ist, verweist auf ein Ideal antiker Rhetorik, nach dem das Gestikulieren als unhöflich galt. Die Hand in der Weste symbolisiert dagegen Besonnenheit und Zurückhaltung. Das Bild, das lange als verschollen gegolten hatte und nur durch Dokumente belegt war, wurde wohl 1935 mit anderem Logenbesitz durch NS-Behörden beschlagnahmt, später von der sowjetischen Armee nach Moskau gebracht und Ende der 1950er Jahren nach Ostberlin überstellt. Dort lagerte es mit anderen "herrenlosen" Kunstgegenständen, bis nach der Wiedervereinigung die Suche nach den ehemaligen Besitzern begann. 2011 wurde das Gemälde an die Freimaurerloge Zur aufgehenden Morgenröthe e.V. restituiert, die es dann dem JMF schenkte.

Objektdetails

Titel

Porträt Jakob Weil

Künstler*in / Hersteller*in

Moritz Daniel Oppenheim

Datierung

1847

Objektbezeichnung

Gemälde

Sammlungsbereich

JMF Kunst

Ort

Frankfurt am Main

Maße

120 x 99,5 x 3 cm

Material / Technik

Öl auf Leinwand

Literatur

Moritz Daniel Oppenheim. Die Entdeckung des jüdischen Selbstbewußtseins in der Kunst. Köln:Wienand, 1999- 157, 359, WVZ Nr. II.86, Jüdisches Frankfurt. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart, München 2020- 18

Bildlizenz

Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Herbert Fischer CC BY-SA 4.0

Erwerbsdatum

September 2011

Vorbesitz

- wohl 1935: Loge zur aufgehenden Morgenröthe, wohl 1935 - : Beschlagnahme durch NS-Behörden, wohl vor 1945 Verlagerung nach Breslau, 1945 - 1958: in sowjetischem Besitz, Historisches Museum Moskau, 1958 - 1980/1985: Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin (Ost), 1980/1985 - 2011: Alte Nationalgalerie, Berlin, 2011 - 2011: Freimaurerloge zur aufgehenden Morgenröthe e. V., Restitution an die Loge

Inventarnummer

JMF2011-0048

Ausgestellt

Rothschild-Palais 3. Etage, Ins Bild gesetzt!