Seit Ende des 16. Jahrhunderts ließen sich sephardische Juden, vor allem aus Portugal und Spanien vertrieben, in Hamburg nieder. Sie waren meist im Fernhandel tätig und profitierten von internationalen Handelsnetzwerken. Die ersten offiziellen Niederlassungsverträge wurden 1612 abgeschlossen, nachdem die Stadt wirtschaftliche Vorteile in der Ansiedlung erkannte, obwohl religiöse Versammlungen zunächst verboten waren. Die Sepharden gründeten eigene Gemeinschaften und Friedhöfe, wie den Jüdischen Friedhof Altona, der heute unter Denkmalschutz steht. Aschkenasische Juden („hochdeutsche Juden“) siedelten sich zunächst in Altona an, da sie in Hamburg nur als Angestellte der Sepharden arbeiten durften .1671 vereinigten sich die Gemeinden von Hamburg, Altona und Wandsbek zur sogenannten Dreigemeinde AHW, deren Oberrabbiner in Altona residierte. Diese Dreigemeinde wurde 1812 aufgelöst, teilweise aufgrund der französischen Gesetzgebung, und die Hamburger Juden bildeten fortan eine eigenständige Gemeinde. Während der französischen Besetzung Hamburgs genossen Juden nahezu volle Rechte, die nach dem Wiener Kongress wieder eingeschränkt wurden. Die endgültige rechtliche Gleichstellung erfolgte 1861. 1925 lebten etwa 20.000 Juden in Hamburg, zwei Prozent der Bevölkerung Wikipedia. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden Rechte eingeschränkt, Synagogen zerstört und Gemeinden enteignet. Zwischen 1941 und 1945 wurden über 5.000 Hamburger Juden deportiert, insgesamt etwa 8.000 ermordet. Es handelt sich um ein Miniaturtora-Rollen Ensemble, bestehend aus Tora-Rolle, Tora-Mantel und Tora-Aufsätzen aus dem Ende des 18 Jahrhunderts. Auf den Griffen der Tora-Rolle befindet sich eine Inschrift, die den Schreiber der Tora-Rolle, den Sofer, nennt: „von dem jungen Meir, Sohn des Shlomo Eddersheim, angefertigt …, Montag, 18. Adar, 5552 (12. März 1792). Die Tora-Rolle wurde in Übereinstimmung mit dem jüdischen Gesetz, der Halacha, geschrieben und die Pergamentblätter korrekt mit Sehnen zusammengenäht. Der Tora-Mantel ist mit Silberstickereien verziert. Winzige Tora-Rollen wie diese sind äußerst selten, was zum Teil auf die Komplexität ihrer Anfertigung und die damit verbundenen hohen Kosten zurückzuführen ist. Das turmförmigePaar Tora-Aufsätze ist in Filigranarbeit hergestellt und reichverziert. Die Turmform ist die geläufigste Form der europäischen Tora-Aufsätze, sie war meist Kirchtürmen nachempfunden. Wie bei anderen Zeremonialobjekten für die Tora-Rolle wurden sie oft mit Glöckchen verziert. Auf den Tora-Aufsätzen sind Inschriften zu lesen, die daruf hinweisen, wem dieses Miniatur-Tora-Ensemble geschenkt wurde: Es war, in diesem Fall für Abraham Meldola (geb. 1754 in Amsterdam), Sohn von David Meldola, dem Oberrabbiner von Amsterdam. 1772 ließ er sich in Hamburg nieder, wo er als Kantor tätig war und auch als erster jüdischer Notar in Deutschland tätig war. Er war Verfasser zahlreicher Bücher, darunter auch einige in portugiesischer Sprache.
Objektdetails
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Titel |
Rimonim (Tora-Aufsätze) und Miniatur-Tora-Rolle mit Mantel |
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Künstler*in / Hersteller*in |
Unbekannt |
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Datierung |
1792 und 1798 |
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Objektbezeichnung |
Tora-Schmuck |
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Sammlungsbereich |
JMF Judaica |
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Ort |
Hamburg |
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Material / Technik |
Silber, Filigran, teils vergoldet |
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Bildlizenz |
The Cymbalista Collection of Rimonim / Jüdisches Museum Frankfurt; Foto: Herbert Fischer |
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Leihgeber*in |
The Cymbalista Collection of Rimonim / Die Cymbalista Sammlung von Rimonim |
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Inventarnummer |
Lg_Cymbalista36 |
Jetzt ausgestellt