Familie Rothschild - ein großer Name aus Frankfurt , Biografie

Rothschild – bei diesem Namen denken viele Menschen sofort an Reichtum, Schlösser und Wein. Bis heute sind „die Rothschilds“ eine bevorzugte Zielscheibe für antisemitischen Hass und Verschwörungsmythen. Diese weltbekannte Familie stammt ursprünglich aus Frankfurt. Der Name leitet sich von dem Haus ab, in dem die Vorfahren in der Judengasse gewohnt hatten: das Haus zum Roten Schild.

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Anfänge in der Frankfurter Judengasse

Die berühmte Bank gründet Mayer Amschel Rothschild (1744-1812). Er handelt zuerst mit Waren und antiken Münzen und beliefert wohlhabende Sammler an den Fürstenhöfen. In der Rolle des Hoflieferanten darf er für diese Fürsten Kapital beschaffen und gewinnbringend anlegen. Somit wird aus dem Händler ein Banker. Dies alles geschieht am Ende des 18. Jahrhunderts, als Napoleon gegen die europäischen Staaten Krieg führt. Es geht dabei nicht nur um Territorien, sondern auch um eine neue Gesellschaftsordnung. Nichtadelige Unternehmer erkennen die Chancen der industriellen Revolution und werden finanzstarke Mitspieler im neuen Europa. Staatsanleihen und solider Geldfluss, schnelle Kommunikation und flexible Handlungsmöglichkeiten werden zu gewinnbringenden Elementen der neuen Wirtschaft.

Aufstieg und Erfolg

Mayer Amschel Rothschild eröffnet 1810 seine Bank in Frankfurt. Seine fünf Söhne übernehmen und erweitern sie um Niederlassungen in London, Wien, Neapel und Paris. Das sind im 19. Jh. die wichtigsten Finanzplätze Europas. Das Hauptgeschäft bilden für lange Zeit die Staatsanleihen und Investitionen in neue wachsende Industriebereiche. Die fünf Brüder erwirtschaften eines der größten Vermögen ihrer Zeit. Vom österreichischen Kaiser werden sie geadelt und zu Freiherren von Rothschild ernannt.

Eine jüdische Familie

Trotz dieses finanziellen und gesellschaftlichen Erfolgs bleibt die Familie bewusst jüdisch und pflegt ihre Traditionen. Die bürgerliche und adelige Gesellschaft sieht sich dadurch provoziert, denn in den neuen und alten Staaten Europas existiert weiterhin ein starker Judenhass. Es entsteht eine Verschwörungserzählung über den Aufstieg und das Vermögen der Familie Rothschild, die bis heute in den Medien weitergetragen wird.

Moritz Daniel Oppenheim: Familie Rothschild an Jom Kippur, 1835

Moritz Daniel Oppenheim: Familie Rothschild an Jom Kippur, 1835, Gemeinfrei

Wohltätigkeit

Davon unangefochten setzt sich die Familie im 19. und 20. Jahrhundert immer wieder für die rechtliche Gleichstellung der Juden in Europa ein. Darüber hinaus werden besonders die Frauen der Familie zu wichtigen Stifterinnen in der Armen- und Krankenpflege. Sie errichten an ihren Wohnorten wohltätige Einrichtungen für Mittellose und Benachteiligte der Gesellschaft. Dies betrachten sie als eine Verpflichtung, die der materielle Wohlstand und die jüdische Tradition ihnen auferlegt haben.

Das Bankhaus heute

Das Frankfurter Stammhaus schließt 1901 mit dem Tod des letzten Bankdirektoren Wilhelm Carl von Rothschild. Die Filiale in Neapel wurde bereits in den 1860er Jahren aufgrund politischer Umstände geschlossen. Das Wiener Bankhaus wird von der NS-Regierung enteignet. Das Londoner und Pariser Bankhaus existieren bis heute.

Historischer Rothschild-Raum im Jüdischen Museum Frankfurt
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