Chanukka-Leuchter, Unbekannt, Leuchter, 19. Jh.

Vom Typus des hängenden Chanukka-Leuchters unterscheidet man den Bankleuchter, der stehend verwendet wird und vor allem in Osteuropa Verbreitung fand. Die Seitenwände wurden vermutlich zur Stabilisierung hinzugefügt, erlaubten aber auch die Anbringung von zwei Kerzenhaltern, einen für den Diener und einen für die zusätzliche Kerze am Schabbat auf der gegenüberliegenden Seite. Bei dieser Chanukka-Lampe aus dem19. Jahrhundert könnte es sich vermutlich um eine Nachbildung aus dem Anfang des 20. Jhs. handeln: In einem Katalog der Firma Kretschmar, Bösenberg & Co., Dresden, von 1910, ist eine solch ähnliche Lampe abgedruckt. Die Firma war spezialisiert auf Reproduktionen von Lampen aus früheren Epochen. Meist werden diese Chanukka-Leuchter fälschlicherweise in das 18. Jahrhundert datiert und Polen als Herstellungsort identifiziert. Bei diesem Leuchter ist nur der Kerzenhalter auf der linken Seite erhalten. Die Rückwand zeigt einen doppelköpfiger Adler, ein möglicher Hinweis auf das Wappen von Russisch-Polen, der auf einem siebenarmigen Leuchter sitzt. Bei genaueren Hinsehen ist zu erkennen, dass die Formen und Ausgestaltung der Figuren sehr verschwommen sind, was auf ein stark genutztes Model schließen lässt und somit auf eine Massenware. Die Motive sollen auf den Tempel hinweisen: So die zwei gedrehten Säulen an den Rändern, die für die beiden Säulen Jachin und Boas stehen. Verbunden wird die Menora mit den beiden Säulen am Rand über zwei halbkreisförmige Blumenranken, in die jeweils ein Löwe gearbeitet ist. Auf den Ranken wiederum sitzen zwei Greife, die häufig auf osteuropäischen Bilddarstellungen zu finden sind. Dieser Leuchter stammt aus der ehemaligen Sammlung Siegmund Nauheim Inv. Nr. N 127

Objektdetails

Titel

Chanukka-Leuchter

Künstler*in / Hersteller*in

Unbekannt

Datierung

19. Jh.

Objektbezeichnung

Leuchter

Sammlungsbereich

JMF Judaica

Maße

24 x 25 x 7 cm

Material / Technik

Messing, gegossen

Literatur

Heuberger, Georg (Hrsg.), Die Pracht der Gebote - Die Judaica-Sammlung des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Köln: Wienand, 2006.

Bildlizenz

Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Herbert Fischer CC BY SA 4.0, Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Herbert Fischer CC BY SA 4.0

Erwerbsdatum

1987

Vorbesitz

Überwiesen aus dem HMF.Ehem. Sammlung Siegmund Nauheim, Nr. 127

Inventarnummer

JMF1987-0184

Jetzt ausgestellt