Rimonim (Tora-Aufsätze), Unbekannt, Tora-Schmuck, 1890 - 1910

Es handelt sich um ein klassisches Set von sogenannten „Bagdad Rimonim“ für einen Tora-Rollen-Kasten („Tik“). Jeder Aufsatz besteht aus einem langen, schlanken Schaft, der sich nach oben leicht erweitert und in einen kugelförmigen Ring übergeht. Den oberen Abschluss bildet ein nahezu tropfenförmiger Hohlkörper mit glatter, leicht gewölbter Oberfläche. Die Form erinnert an einen Granatapfel, auf den die hebräische Bezeichnung Rimon („Granatapfel“) verweist. Bekrönt wird jeder Aufsatz von einer kleinen, konischen Spitze, die den vertikalen Aufbau zusätzlich betont. An mehreren Ösen am oberen Bereich des Korpus sind kurze Ketten befestigt, an deren Enden sich birnenförmige Glöckchen befinden. Die Glöckchen sind gleichmäßig angeordnet und verleihen den Aufsätzen nicht nur eine dekorative Wirkung, sondern erzeugen beim Tragen der Tora-Rolle einen feinen Klang. Dieser verweist auf die feierliche Prozession der Tora-Rolle sowie auf die biblischen Glöckchen am Gewand des Hohepriesters (Exodus 28,33–35). Die Dekoration beschränkt sich auf feine Profilringe am Schaft und auf eingravierte hebräische Inschrift die sich vertikal entlang der Schäfte erstrecken: „Joseph Sohn des Mas'udah Alfi”. Die Juden des Irak – die große babylonische Gemeinde – stellen die älteste Diaspora-Gemeinde des Judentums dar, deren Wurzeln bis zum Exil nach der Zerstörung des Ersten Tempels in Jerusalem 587 v. d.Z. zurückreichen. Diese Gemeinde war auch das wichtigste Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit in talmudischer Zeit vor anderthalb Jahrtausenden. Viele irakische und persische jüdische Kaufleute ließen sich ab dem frühen 19. Jahrhundert in verschiedenen Zentren Indiens und Südostasiens nieder. Sie gründeten neue jüdische Gemeinden und beauftragten häufig lokale Handwerker mit der Anfertigung ihres Tora-Schmucks Noch zu Beginn der irakischen Unabhängigkeit im 20. Jahrhundert spielten Juden eine bedeutende Rolle, ihre Zahl belief sich 1948 auf rund 120.000. Nach dem arabisch-israelischen Krieg von 1948 verließen sie aufgrund von Verfolgungen und Pogromen fast vollständig das Land. Die meisten flohen in den neugegründeten Staat Israel.

Objektdetails

Titel

Rimonim (Tora-Aufsätze)

Künstler*in / Hersteller*in

Unbekannt

Datierung

1890 - 1910

Objektbezeichnung

Tora-Schmuck

Sammlungsbereich

JMF Judaica

Ort

Irak

Material / Technik

silber, graviert

Leihgeber*in

The Cymbalista Collection of Rimonim/Die Sammlung Cymbalista von Tora-Aufsätzen

Inventarnummer

Lg_Cymbalista01

Jetzt ausgestellt