Die Nazis, Ludwig Meidner, Aquarell, 1940-1942

Meidner zeichnete das vorliegende Blatt, wie eine Inschrift auf der Rückseite verrät, 1940 in Kohle und aquarellierte es zwei Jahre später 1942. Der Inschrift ist weiterhin der Bildtitel „Die Nazis“ zu entnehmen. Dieser Titel überrascht zunächst, denn in der Darstellung finden sich keine der geläufigen Symbole – keine Hakenkreuze, keine Uniformen, keine zum Hitlergruß erhobenen Arme. Stattdessen sehen wir eine Figurengruppe, die von einer auf allen Vieren gehenden, affenartigen Kreatur angeführt wird. Die Gestalten tragen kuttenähnliche Gewänder, ihre Köpfe sind durch Kapuzen oder Tücher verhüllt. Sie sehen nicht, wohin sie gehen, sondern folgen dem Affenwesen, das sie wie ein Blindenhund leitet. In Verbindung mit dem Titel ist die Kernaussage des Aquarells anscheinend leicht erfassbar: Meidners „Nazis“ folgen einem bestialischen Lenker, ohne zu sehen, wohin er sie führt. Mehr noch, sie wollen es gar nicht sehen, denn sie sind ja nicht blind, sondern nur durch ihre Kapuzen daran gehindert, ihren Weg und die Welt um sich herum erkennen. Dabei könnten sie die Kapuzen eigentlich leicht abnehmen, wenn sie nur die Bereitschaft aufbrächten, das Geschehen um sich herum mit offenen Augen wahrzunehmen.

Objektdetails

Titel

Die Nazis

Künstler*in / Hersteller*in

Ludwig Meidner

Datierung

1940-1942

Objektbezeichnung

Aquarell

Sammlungsbereich

JMF Kunst

Ort

London

Maße

Passepartout 100 x 70 cm

Material / Technik

Kohle, Wasserfarbe

Signatur / Beschriftung

monogrammiert und datiert u. l.: hebräisches Monogramm (Mem) 700 (=1939/40); verso bezeichnet: "Die Nazis" L. Meidner fec. gezeichnet 1940 getuscht 1942 Signatur

Literatur

Horcher in die Zeit. Ludwig Meidner im Exil. hrsg. von Museum Giersch der Goethe Universität, München: Hirmer, 2016.- 108-11, 109, 60

Bildlizenz

© Ludwig Meidner-Archiv, Jüdisches Museum der Stadt Frankfurt am Main

Erwerbsdatum

16.02.1994

Vorbesitz

- 1994: aus dem Nachlass des Künstlers

Inventarnummer

JMF1994-0007 II/1010